
Premiere für W-Talks: Debatte über Wirtschaft, Wandel und Weltlage im FIEGE X-Dock in Münster
„Auch in einer neuen Welt, die vom Machtstreben der USA und China geprägt ist, haben wir Europäer große Chancen. Dafür aber müssen wir uns ändern, zielgerichteter und geeinter auftreten”, so der Autor und Journalist Dr. Christoph Hein jetzt bei der Premiere der neuen Veranstaltungsreihe W-Talks im FIEGE X-Dock im Hafen. Gut 80 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Institutionen folgten der Einladung zur Premiere. Ziel der Reihe: die großen geoökonomischen Verschiebungen der Gegenwart einordnen – und ihre Folgen für Europa und die mittelständische Wirtschaft in Westfalen diskutieren.

Dr. Christoph Hein, geboren in Köln, studierte und promovierte in Münster. Der Wirtschaftsexperte baute für die Welt ein Korrespondentenbüro in Baden-Württemberg auf, wechselte 1997 zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung, als deren Asien-Pazifik- Korrespondent berichtete er ab 1999 ein Vierteljahrhundert lang über den Aufstieg Chinas und über die Entwicklung des indo-pazifischen Raums. Hein ist nach Deutschland zurückgekehrt und leitet den wöchentlichen Newsletter F.A.Z. PRO Weltwirtschaft zum Thema Geoökonomie. Er hat mehrere Bücher zu Asien verfasst.
Hein machte gleich zu Beginn deutlich, warum es neue Formate wie W-Talks braucht: „Wir sind in einer neuen Weltordnung aufgewacht. Die alte Erzählung vom freien Welthandel und vom Wandel durch Handel trägt so nicht mehr.” Globalisierung sei nicht vorbei, „aber sie wird anders aussehen – konfliktreicher, fragmentierter und strategischer”.
Mit-Initiator und Moderator Jörg Heithoff betonte den langfristigen Anspruch der Reihe: „Wir wollten kein tagespolitisches Streitgespräch, sondern den Blick auf die strukturellen Fragen richten: Woher kommt unser Wohlstand in zehn oder fünfzehn Jahren? Und welche Rolle kann Europa dabei spielen?” Europa müsse sich dabei zwischen den beiden dominierenden Mächten USA und China neu positionieren. „Es braucht neue Partnerschaften, um Frieden, Rohstoffe aber auch einen demokratischen Einfluss auf die Welt sicherzustellen. Frühere Gewissheiten haben ausgedient”, so Hein.
Gastgeber Dr. Hugo Fiege unterstrich die Bedeutung des offenen Austauschs: „Wir verstehen dieses Haus als Plattform für Begegnung und Diskussion.” Martin Rademaker, Vorstand der FIEGE Logistik, unterstrich: „Logistik ist ein Frühindikator wirtschaftlicher Veränderungen. Genau deshalb passt diese Debatte hervorragend an diesen Ort.”
In der Diskussion zeichnete Hein ein nüchternes Bild der globalen Kräfteverhältnisse. Weder die USA noch China seien so stabil, wie sie nach außen erscheinen. Für Europa ergebe sich daraus eine Chance – allerdings nur, wenn es handlungsfähiger werde. „Wir sind als EU weiterhin eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt”, so Hein. „Aber wir müssen unsere Stärken – Demokratie, Rechtssicherheit, Verlässlichkeit, Bildung – in einer neuen, von Macht geprägten Welt, strategischer einsetzen.”
Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, die die Reihe genau wie FIEGE Logistik unterstützt, warnte in der lebendigen Debatte davor, wirtschaftliche Transformation durch Überregulierung zu gefährden: „Die Wirtschaft muss Ermöglicher von Wandel bleiben – nicht Objekt staatlicher Detailsteuerung.” Zugleich begrüßte er den sachlichen Ton der Debatte: „Es war wohltuend, über diese Fragen ohne Alarmismus zu sprechen.”